Schnipp Schnapp-Vorhaut ab! 

Warum ich über die Beschneidung aufklären will.

Jedes Jahr werden in Deutschland viele Jungen unter 16 Jahren ohne Notwendigkeit genital beschnitten.

Die gängige Meinung ist: Werden Jungen und Männer an ihrer Vorhaut beschnitten,  bringe das viele Vorteile mit sich. Beschneidung sei sinnvoll. Und gesund.
Doch ist das wirklich so?

Ich beginne mich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen. Durchforste das Internet. Lese Bücher. Und spreche mit Betroffenen.
Das Thema lässt mich nicht los.

Wie komme ich dazu, gerade darüber zu schreiben?
Ich stelle mit Erstaunen UND Erschrecken fest: Meine Vorstellung von Erziehung kollidiert mit dem Akt der Beschneidung.
 
Bedürfnisorientierte Erziehung und Selbstbestimmung

Der Vater meiner Kinder und  ich sind türkischer Abstammung, beide in Deutschland geboren und aufgewachsen.
Wir haben zwei Söhne.

Ich war mit meinem ersten Kind schwanger. Und wollte alles richtig machen:
Ich will mein Kind nicht zum Gehorsam erziehen.
Ich will auf seine Bedürfnisse eingehen.
Ihm viele Nähe und Geborgenheit geben.
Ihm auf Augenhöhe begegnen.
Mein Kind auch mitentscheiden lassen, wenn das möglich ist.
Vertrauen aufbauen.
Selbstbestimmung.
Bindung.
Liebe. Bedingungslos.

Bevor ich schwanger wurde, hatte ich mir keine Gedanken über die Beschneidung gemacht.
Sie war selbstverständlich für mich.
In meiner Kindheit und Jugend waren meine Familie und ich bei den Feiern eingeladen gewesen.
Es war einfach normal. Weil es alle taten.

Nach der Geburt meines ersten Sohnes stieß ich auf einen Artikel, der sich kritisch mit dem Thema befasste.
Hier fing das Thema an, mich zu fesseln und nicht mehr loszulassen.

„Soll ich meine Söhne beschneiden lassen?“

Plötzlich stand diese Frage im Raum.
Ich fragte mich: Warum habe ich mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht?
Ich möchte eine starke Beziehung zu meinem Sohn aufbauen. Ich möchte ihn schützen. Ich möchte, dass er mir vertraut. Dass er zu einem verantwortungsbewussten und selbstbestimmten Erwachsenen heran wächst.
 
„Und jetzt soll ich ihm einfach die Vorhaut abschneiden lassen?“

Hat mein Kind nicht das Recht, selber über seinen Körper zu bestimmen?
Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Solange keine dringende medizinische Notwendigkeit besteht, wieso kann man den Betroffenen später nicht eigenverantwortlich entscheiden lassen?

Selber. Über seinen Körper.

Ich bekam Gänsehaut bei dem Gedanken. Alles in mir sträubte sich. Ich bin Löwenmama und ich will meine Kinder schützen!
Und nicht nur sie. Auch andere Kinder!

Und ich will aufklären. Eltern wertvolle und oft verschwiegene Informationen geben.
 
Weil ich weiß: ALLE  Eltern  lieben  ihre  Kinder!

Hätten Eltern die richtigen Informationen, würden viele von ihnen von diesem  Eingriff absehen. Oder abwarten. Oder sich nach alternativen Möglichkeiten umhören.

Wenn die Vorhaut abgeschnitten ist, ist das nie wieder rückgängig zu machen.

Die Beschneidung hat körperliche, psychische und sexuelle Auswirkungen, die ein Leben lang bestehen können.

Und das Schlimmste daran: Das Kind hat sich nicht selber dafür entschieden. Es durfte nicht über seinen Körper selber bestimmen. Es muss jetzt ein Leben lang mit den Folgen leben.
Es ist ein Vertrauensbruch geschehen;

… ein körperlicher und seelischer Missbrauch - aus Unwissenheit und Unbewusstheit über die Folgen.
 
Gedankenkarussell

Ich dringe immer tiefer in das Thema ein. Ich vernetze mich mit Menschen. Und recherchiere.
Je mehr ich erfahre, umso schmerzvoller wird es.

Habe ich das Recht, über den Körper meiner Kinder zu entscheiden?
Was für einen Schaden kann der Eingriff beim Kind anrichten?
Kann das Kind traumatisiert werden?
Kann seine Sexualität beeinflusst werden?
Ist es nicht meine Aufgabe als Eltern mein Kind zu schützen? Statt es hilflos dem Eingriff auszuliefern? Verliere ich nicht damit sein Vertrauen?
Hat die Natur, Allah, Gott wirklich einen Fehler gemacht, den wir korrigieren müssen?

Und ich erkenne schmerzvoll:
Die Genitalbeschneidung wehrloser, gesunder Kinder ist Körperverletzung. Ein großer Vertrauensbruch. Wir können Kinder damit traumatisieren. Sie kann ihre Sexualität negativ beeinflussen.
 
Alle Eltern lieben ihre Kinder

Ich möchte Eltern anhalten, zuerst nachzudenken und sich zu informieren.

Auch wenn der Glaube den Eingriff vermeintlich vorschreibt.
Auch wenn eine vorschnelle ärztliche Diagnose gestellt ist.

Damit Jungen „ganz“ bleiben dürfen.

Und  selber über ihren Körper bestimmen.

Deshalb gibt es diesen Blog.