Anatomie und Funktion der Vorhaut

Bevor wir über Sinn oder Unsinn einer Beschneidung reden, ist eine umfassende Kenntnis über die Vorhaut, ihre natürliche Entwicklung und ihre Funktion erforderlich.

Als Vorhaut (lat. Präputium) bezeichnet man den Teil der Haut am Penis eines Jungen oder Mannes, der die Eichel umschließt. Bei einem Baby oder Kleinkind kann der Anteil der Vorhaut an der gesamten Penishaut bis zu 2/3 betragen!


Was ist die Vorhaut?

Das Wort "Vorhaut" ist irreführend, da es nicht nur ein Stückchen verzichtbares Gewebe ist, sondern ein besonders spezialisiertes Gewebe mit zahlreichen unterscheidbaren und in der Kombination einzigartigen Funktionen.

Sie besteht aus Schleimhaut, spezialisierten Nervenfasern und Sinneszellen, Muskelzellen, Bindegewebe und normaler haarloser Haut.


Die Vorhaut besteht aus zwei Schichten:

Die innere Schicht ist eine zarte, sehr empfindliche Schleimhaut ähnlich der feuchten Haut im Mund. Diese Schicht ist manchmal bis zur Pubertät fest mit der Oberfläche der Eichel verklebt, so dass die Vorhaut nicht zurückgeschoben werden kann. Diese Vorhautverklebung ist ein von Natur gewollter Schutz für die sensible Eichel. Dieser Schutz kann solange bestehen bleiben, wie der Junge noch nicht sexuell aktiv ist.
Eine Vorhautverklebung ist also keine Krankheit, wie das oft behauptet wird.

Die äußere Schicht der Vorhaut ist haarlos, was sonst nur an den Hand- und Fußflächen sowie den Augenlidern der Fall ist.

Die beiden Schichten sind gegeneinander verschiebbar und an der Vorhautspitze durch das gefurchte Band miteinander verbunden. Es ist  empfindsam und hat die Aufgabe, die Vorhaut geschlossen zu halten.

Beim Zurückziehen der Vorhaut wird die Innenseite nach außen gewendet, wie der Ärmel eines Pullovers, der nach hinten umgeschlagen wird. Es entsteht eine große erogene Zone, bestehendder entblößten Eichel und der dahinter sichtbaren rosafarbigen inneren Haut.

Während der Embryonalentwicklung sind die Schleimhaut der Vorhaut und das Gewebe der Eichel ein Gewebe. Daher sind bei Geburt noch bei 96 % aller Jungen die Vorhaut und die Eichel fest miteinander verbunden. Die Verklebungen lösen sich spontan, meistens in den ersten Lebensjahren.

Eine gewaltsame Separierung dieser natürlichen Verklebungen verletzt somit zwangsläufig die Eichel.
 
Die Durchblutung der Vorhaut ist ausgesprochen reichhaltig. In der Schleimhaut finden sich viele Blutgefäße, die die hohe Nachblutungsrate nach Beschneidungen erklären.

 
Funktionen der Vorhaut

Schutzfunktion der Eichel

Die Vorhaut schützt die Eichel vor Schmutz, Austrocknung, Verletzungen, Infektionen, schädlichen Umwelteinflüssen und Sensibilitätsverlust. Bei Kleinkindern hält die Vorhaut Urin und Kot von der empfindlichen Penisspitze fern. Weil sie fest mit der Eichel verklebt ist, können weder Schmutz noch Krankheitserreger oder Schadstoffe unter die Vorhaut gelangen. Aber auch später, wenn sich die Vorhautverklebung gelöst hast, bleibt die vielseitige Schutzfunktion der Vorhaut für die Eichel von enormer Bedeutung.

Sexuelle Funktion

Beim Masturbieren stimulieren sich Eichel und Vorhaut gegenseitig. Die Innenseite der Vorhaut ist extrem dicht mit Nervenendungen besetzt. Stimuliert werden auch das Vorhautbändchen und das gefurchte Band an der Vorhautspitze, durch Reibung und Dehnung. Diese wichtigen erogenen Zonen zusammen bescheren intensive Lustgefühle. Zudem können Empfindungen und der Weg zum Orgasmus durch kleinste Veränderungen der Stimulation gesteuert werden. Beim Geschlechtsverkehr verhindert die Vorhaut durch einen speziellen Gleiteffekt unnötige Reibung und steigert so das Lustempfinden beider Partner.

Alleine diese Erkenntnis steht einer leichtfertigen bzw. medizinisch nicht indizierten Entfernung entgegen. Die Vorhaut ist vielmehr als nur ein Zipfelchen Haut. Sie macht die männliche ebenso wie die gemeinsame Sexualität schöner und abwechslungsreicher.


Das Vorhautbändchen (Frenulum)

Das Vorhautbändchen befindet sich an der Unterseite der Eichel und verbindet diese mit der Vorhaut. Bei steifem Glied ist das Vorhautbändchen straff und gespannt. Es ist die sexuell empfindsamste Stelle am Penis und hat drei wichtige Aufgaben:

1. Es unterstützt die Schutzfunktion der Vorhaut und schützt vor Paraphimose.
2. Es verhindert, dass die Vorhaut zu weit nach hinten gezogen wird.
3. Es erfüllt eine wichtige sexuelle Funktion. Weil das Frenulum sehr nervenreich ist, ist es eine Art Lustpunkt am Penis.

Bei manchen beschnittenen Jungen wurde das Vorhautbändchen entfernt. Bei anderen ist es noch teilweise vorhanden.

Normale Vorhautentwicklung

Bei kleinen Jungen ist die Vorhaut meist fest mit der Eichel verbunden, etwa so wie die Fingernägel mit dem Nagelbett.

Man kann die kindliche Penisspitze mit einer Knospe vergleichen, die sich erst dann öffnet, wenn die in ihr heranwachsende empfindliche Blüte reif dafür ist.

Da zwischen Vorhaut und Eichel kein Zwischenraum besteht, haben Schmutz, Bakterien, Pilze, Keime oder Schadstoffe keine Chance, die sensible Eicheloberfläche zu erreichen. Sie wird somit vor Verletzung und Infektion geschützt.

Kein Zurückstreifen der Vorhaut!!

Auch wenn es noch etliche Kinderärzte empfehlen:
Das erzwungene, frühzeitige Zurückstreifen der engen, verklebten Vorhaut ist nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich, weil es hierbei zu Entzündungen und Verletzungen kommen können. Dadurch entstehen Vorhautverwachsungen und Narben. So kann eine krankhafte Vorhautverengung entstehen, also eine wirkliche pathologische Phimose. Die Vorhaut wird nun nicht mehr von selbst zurückziehbar, weil der Mensch in ihre natürliche Entwicklung eingegriffen hat!---- keine Manipulation von Eltern am Genital ihres Kindes!


Kindliches Spiel mit der Vorhaut

Früher galt alles was unterhalb des Bauchnabels berührt wurde, als "pfui". Die Geschlechtsorgane wurden unbewusst als etwas Negatives, Unsauberes abgewertet. Es ist aber der Entwicklung sogar zuträglich, wenn kleine Jungen mit ihrem Penis spielen. Denn durch solche "Experimente" fördern die Jungen den natürlichen Ablösungsprozess von der Eichel.
Niemand kennt seine Schmerzgrenze besser als das Kind selbst!


Mythos Vorhaut

"Eine Junge muss seine Vorhaut spätestens im Schulalter zurückziehen können.“

Eine enge, verklebte Vorhaut ist im gesamten Kindesalter normal. Es ist völlig egal, ob der Junge seine Vorhaut mit 6, 7 oder mit 10 Jahren zurückstreifen kann. Gebraucht wird diese Funktion erst, wenn der Junge sexuell aktiv wird. Durchschnittlich mit 10,4 Jahren (das heißt auch früher oder erst mit 13 Jahren) können Jungen ihre Vorhaut vollständig hinter die Eichel zurückstreifen.

Keine Panik, wenn sich die völlig gesunde Vorhaut ihres Jungen mit 4, 6 oder auch 10 Jahren nicht zurückziehen lässt!

In den skandinavischen Ländern liegt die Zahl der Vorhautamputationen um mehr als 60 % niedriger als in Deutschland!

In Deutschland werden zahlreiche Jungen beschnitten, bei denen keine medizinische Notwendigkeit für diese Operation besteht.

Eine natürliche Vorhautverklebung oder Vorhautverengung hätte sich irgendwann auf natürliche Weise erledigt - ohne Schmerzen, ohne Peinlichkeiten und ohne OP- und Narkose-Risiko.

Das ist ein Skandal, da ausschließlich Kinder betroffen sind, die keine Entscheidung über ihren eigenen Körper treffen können!


Smegma

Bei Smegma handelt es sich um eine weiße bis gelbliche, klebrige Substanz, die sich etwa ab der Pubertät unter der Haut bildet. Sie wirkt wie eine natürliche Salbe und hält die Eichel feucht und zart. Smegma gibt es auch bei Mädchen und Frauen. Bei ausreichender Hygiene gibt es überhaupt keine Probleme. Auf keinen Fall ist das Auftreten von Smegma als eine Indikation zur Beschneidung zu werten.